Interview mit Sabine Giebken

Sabine Giebken verrät, warum sie die Handlung ihres Romans “Über uns das Meer” auf der Insel Elba angesiedelt hat, berichtet über ihren persönlichen Musikgeschmack und beschreibt den bewegenden Moment, als sie auf Tuchfühlung mit Delphinen gegangen ist.

SabineGiebken

Hallo, ich bin Sabine Giebken und schreibe Bücher für Kinder und Jugendliche. Meine Geschichten handeln von tiefen Meeren, wilden Walen, isländischen Pferden oder Menschen, die Sehnsüchte und Träume haben und dafür ungewöhnliche Dinge tun. Eigentlich habe ich einen ganz normalen Beruf, aber seit meinen Sommer auf einer kleinen, einsamen Forschungsinsel lassen sich die Geschichten nicht mehr aufhalten. „Über uns das Meer“ handelt von einer abenteuerlichen Liebe in den Tiefen des Tyrrhenischen Meeres und ist mein erster Roman für Jugendliche und junge Erwachsene.

In „Über uns das Meer“ thematisieren Sie die Faszination des Apnoe-Tauchens, lassen aber auch die Gefahren, die mit diesem Extremsport einhergehen, nicht unerwähnt. Haben Sie sich zu Recherchezwecken auch selbst in die Tiefen des Meeres begeben oder haben Sie das Treiben der Taucher eher vom Rand beobachtet?

Sabine Giebken: Mein Mut hat nur für die Tiefen des Schwimmbads gereicht, aber es war spannend, diese Erfahrung zu machen – vor allem, weil Freitauchen immer wieder den Beschützerinstinkt anderer Schwimmer geweckt hat. Zum Apnoetauchen gehört ja nicht nur, möglichst tief hinunter zu paddeln. Es geht vielmehr darum, seinen Kopf frei zu bekommen und alle Emotionen und Empfindungen auszublenden, oder, wie Angel sagen würde: loszulassen.

Das Apnoe-Tauchen führt die Sportler an ihre Grenzen. Haben Sie selbst auch schon einmal die Erfahrung gemacht, Ihre persönlichen Grenzen kennen zu lernen?

Sabine Giebken: Mein Pferd hat mich mit seinem Sturkopf früher regelmäßig an meine Grenzen gebracht! Ich glaube, in vielen Lebenssituationen geht es darum, seine Grenzen zu finden und zu testen, wie weit man darüber hinaus gehen kann. Das ist beim Schreiben nicht anders als beim Tauchen. Nur so wird man besser.

Die Handlung Ihres neuesten Werkes spielt auf der Insel Elba. Warum haben Sie die Handlung gerade dort angesiedelt?

Sabine Giebken: Ich habe nach einem Handlungsschauplatz gesucht, der eine Bedeutung für den Apnoesport hat, und auf Elba wurde bereits Freitauchgeschichte geschrieben: Jacques Mayol (bekannt durch den Film „Im Rausch der Tiefe“) tauchte dort als erster Apnoist über 100 Meter tief, damals mit einem Tauchschlitten in der Disziplin „No Limit“. Eine Insel war perfekt, weil das Meer überall um einen herum ist und man nicht weit mit dem Boot fahren muss, um die benötigte Tiefe zu finden. Außerdem konnte ich zu unterschiedlichen Jahreszeiten nach Elba fahren, so wie letztes Jahr im April, als der Frühling partout nicht zu uns nach Deutschland kommen wollte – ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie herrlich leer die italienischen Strände sein können!

Elba_Kap1Copyright: Sabine Giebken

In einer sehr bewegenden Szene tauchen die Protagonisten des Buches mit Delfinen. Sehr eindringlich und intensiv beschreiben Sie dabei das faszinierende Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier. Durften Sie selbst schon einmal auf Tuchfühlung mit diesen Meeresbewohnern gehen?

Sabine Giebken: Oh ja, und ich werde diesen Moment nie vergessen. Vor Kaikoura auf der Südinsel Neuseelands durfte ich im offenen Meer mit Dusky Dolphins tauchen. Sie spielten richtig mit uns und ich konnte ihnen in die Augen sehen und ihr Pfeifen hören – ein einmaliges Erlebnis! Das Meer ist an dieser Stelle ziemlich tief und es leben dort nicht nur Delphine, sondern auch Buckelwale, Pottwale und große Haie. Man taucht also wirklich in eine unheimliche und faszinierende fremde Welt ein – ein Gefühl, das ich unbedingt in Worte packen wollte!

Wenn Lou, die weibliche Hauptperson, der Realität entfliehen möchte, dreht sie ihre Anlage voll auf und lauscht der Musik von „Nightwish“. Mit welcher Musik können Sie dem Alltag entfliehen?

Sabine Giebken: Ich höre alles, was gerade zu meiner Stimmung passt – von Nightwish & Co. über Taylor Swift bis zu Jann Arden. Es gibt zum Beispiel einen wunderschönen Song von Within Temptation namens „Angels“, der im letzten Sommer in Dauerschleife gelaufen ist. Oft habe ich nicht bestimmte Interpreten, nach denen ich meine Musik aussuche, sondern würfle einen Stimmungs-Soundtrack rein nach Melodien und Texten zusammen.

Wie können wir uns Ihren Alltag als Autorin vorstellen? Haben Sie vielleicht beim Schreiben bestimmte Rituale entwickelt?

Sabine Giebken: Hund unter dem Tisch, Kaffee auf dem Tisch und laute Musik aus dem Kopfhörer! Typische Rituale gibt es bei mir allerdings nicht. Rituale und kleine Kinder vertragen sich nicht sonderlich gut, da muss man schreiben, wenn Zeit bleibt, und dann ist es völlig egal, ob alle um einen herum längst schlafen oder wo Platz für den Laptop ist. Aber ich schreibe gern an Orten, die mich an den Handlungsschauplatz erinnern. Bei „Über uns das Meer“ war es zum Beispiel unsere Terrasse bei Nacht, wo man mit ein bisschen Phantasie das Rascheln der Olivenbäume hören und das Meer riechen konnte!

Nachdem Sie mit Ihren Pferdebüchern eher die jüngeren Leseratten angesprochen haben, wenden Sie sich nun mit „Über uns das Meer“ einer etwas älteren Zielgruppe zu. Sind die jugendlichen Zuhörer Ihnen lieber oder haben Sie beim Schreiben und Erzählen keine Unterschiede feststellen können?

Sabine Giebken: Mir sind alle Leser gleichlieb, denn ich schreibe für beide Zielgruppen gern. Der größte Unterschied für mich war, dass ich diesmal beim Schreiben nicht jedes Wort zählen musste und auch mal ausschweifen durfte, denn meine Pferdebücher werden gnadenlos gekürzt, wenn ich (wie meistens …) über die Vorgaben hinaus tippe. Dafür ist die Arbeit an einem Roman natürlich viel intensiver und aufregender.

Wohl kein anderer Verlag passt besser zu Ihrem neuesten Werk „Über uns das Meer“ als der Magellan Verlag. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Sabine Giebken: Über meine Agentin Michaela Hanauer-Dietmaier, die den Kontakt herstellte – und eine schreibende Freundin, ohne die ich niemals den Mut gehabt hätte, irgendwem meine Texte zu zeigen.

Können Sie uns eventuell schon in weitere geplante Projekte einweihen?

Sabine Giebken: Nein, leider nicht. Sobald ich etwas darüber verraten kann, mache ich das aber sofort auf meiner Website (www.sabinegiebken.de). Vielleicht nur soviel: ganz ohne Meer geht es bei mir wohl nicht!

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft als Autorin?

Sabine Giebken: Irgendwann würde ich gern mal auf einem Forschungsschiff in die Antarktis mitfahren, für Recherchen – aber das liegt wohl noch in sehr ferner Zukunft. Bis dahin wünsche ich mir, dass euch meine Geschichten gefallen und ich noch viele Bücher für euch schreiben darf!

Dafür drücke ich Ihnen die Daumen, wünsche Ihnen alles Gute und danke Ihnen für dieses Interview! :-)

Sabine Giebken – Über uns das Meer

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Erscheinungsdatum: 19. September 2014
Format: Gebundenes Buch
Verlag: Magellan
Seitenzahl: 512
ISBN: 978-3-7348-5601-3
Altersempfehlung des Verlags: Ab 14 Jahren

ICH DANKE DEM MAGELLAN VERLAG FÜR DAS BEREITSTELLEN DES REZENSIONSEXEMPLARES!


Worum geht es?

Er weckt ihren Ehrgeiz, dieser Apnoetaucher mit dem seltsamen Namen Angel: Mit nur einem Atemzug taucht er in die Tiefe, weiter hinunter als jeder sonst, und Lou geht an ihre Grenzen, um ihn dorthin zu begleiten. Das Risiko reizt sie, ja, aber mehr noch lockt sie das Gefühl der Freiheit, das sie in der Umarmung des Wassers empfindet. Doch Angel sucht noch etwas anderes dort unten. Wie ein Geist folgt ihm seine Vergangenheit ins Meer, und Lou hat Angst, ihn für immer an die Schwärze zu verlieren. Als die Geister Wirklichkeit werden, kommt es weit unter der Meeresoberfläche zur Konfrontation, und plötzlich muss Lou nicht nur um Angel fürchten, sondern auch um ihr eigenes Leben.

Quelle: Verlagsseite

Über die Autorin

Sabine Giebken wurde 1979 in München geboren und lebt mit ihrer Familie in Bayern. Schon als Kind konnte sie an keiner Buchhandlung vorbeigehen, ohne wenigstens einen Blick hineinzuwerfen, und schrieb eigene Geschichten in Schulhefte. Später machte sie ihr Diplom in Betriebswirtschaft, doch während eines Aufenthalts auf einer kleinen kanadischen Forschungsinsel flammte ihre alte Leidenschaft für das Schreiben wieder auf. Am liebsten lässt sie sich von abenteuerlichen Landschaften, wilden Tieren und ungewöhnlichen Menschen inspirieren.

Quelle: Klappentext “Über uns das Meer”

Meine Bewertung

Bei den Büchern des Magellan Verlags muss ich einfach immer auch ein paar Worte zum Cover erwähnen, weil die Bücher des Verlagprogramms alle so wunderschön und liebevoll gestaltet sind. Auch hier ist das Cover eine wahre Augenfreude. Und ganz ehrlich: Der Verlag (mit dem Wal) und auch das Cover könnten nicht besser gewählt sein. Sie passen thematisch so gut zum Buch und ich bin so froh darüber, diesen Schatz in meinem Regal stehen zu haben.

Aber nicht nur äußerlich ist dieses Buch ganz nach meinem Geschmack, auch inhaltlich konnte mich dieser Roman von Sabine Giebken total überzeugen. Der Prolog hat mich zunächst etwas ratlos zurückgelassen. Eine ziemlich beklemmende Situation wird da beschrieben, gleichzeitig wird die weibliche Hauptperson Lou eingeführt. Ich hatte ein paar Vermutungen, was der Prolog da andeutet, konnte aber noch nichts richtig greifen und war einfach nur gespannt darauf, wie sich die Handlung entwickeln würde.

Während der Prolog im Jahr 2004 auf Kuba spielt, spielt der Hauptteil des Buches im Jahr 2014 auf der Insel Elba. Von dem Extremsport des Apnoe-Tauchens, also des Tauchens mit einem einzigen Atemzug und ohne Hilfsgeräte, hatte ich vor dem Lesen des Buches schon gehört, aber ich hatte mich bislang nicht näher damit beschäftigt, geschweige denn ein Buch darüber gelesen. Nachdem ich mich nun auf diesem Weg näher mit diesem Sport auseinander gesetzt habe, muss ich sagen, dass ich extremen Respekt vor den Sportlern habe. Sabine Giebken beschreibt so eindringlich, was es für ein Gefühl ist, in das Meer abzutauchen, sich völlig frei zu fühlen. Die Tiefe und die Dunkelheit üben nicht nur einen unglaublichen Sog auf den Sportler aus, sondern haben auch mich als Leserin völlig fasziniert und gefangengenommen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, welche Gefahr von diesem Reiz, dieser Sucht, sich völlig dem Meer auszuliefern, ausgeht. Unfälle und böse Überraschungen sind dabei keine Seltenheit. Und auch “Über uns das Meer” wartet mit einigen gefährlichen Situationen auf. Aber dieser Wechsel zwischen Faszination und Gefahr schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Die Taucher testen ihre eigenen Grenzen aus und auch Sabine Giebken führt die Leser an ihre Grenzen. Sie schafft eine großartige Atmosphäre, die mich völlig gefangengenommen hat. Auch die Unterwasser-Welt beschreibt Sabine Giebken so bildhaft, dass ich mich völlig schwerelos wie in einer anderen Welt gefühlt habe. Die Meeresbewohner konnte ich förmlich vor mir sehen, und auch die ein oder andere Meerjungfrau… Sabine Giebken beschreibt einfach so intensiv und eindringlich, es war ein tolles Erlebnis, dieses Buch zu lesen.

Neben dem faszinierenden Sport des Apnoe-Tauchens stehen auch die Charaktere im Vordergrund des Buches. Lou und Angel bilden dabei die Hauptfiguren und ich fand sie großartig gezeichnet. Sie erleben auf der Insel Elba eine Zeit völlig frei von jeglichen Verpflichtungen. Dabei sind sie jedoch nur auf der Flucht und werden bald von ihrer Vergangenheit eingeholt. Und dann hilft nur noch die Flucht nach vorn.

Neben Angel und Lou sind auch die anderen Figuren so lebendig gezeichnet, dass ich zu jeder von ihnen eine Verbindung aufbauen konnte. Nicht immer war diese geprägt von Sympathie, denn es gibt auch einige anstrengende Charaktere in diesem Buch, die extrem für Konfliktpotential sorgen. Jede Figur dieses Buches ist sehr tiefsinnig angelegt, gibt aber nicht sofort alles von sich preis. Sie verbergen etwas, geben sich nicht komplett zu erkennen, geben sich geheimnisvoll. Das hat ebenfalls einen großen Reiz ausgemacht und als Leser versucht man ständig, hinter die Fassader der Charaktere zu blicken. Sie konnten mich dennoch allesamt überraschen und haben mich zeitweise ganz schön an der Nase herum geführt.

Im Laufe des Buches wird dann auch die Bedeutung des Prologs immer deutlicher. Ich muss zugeben, dass ich diesen in den ersten 150 Seiten vergessen hatte. Dann wird aber Bezug auf ihn genommen und es ließ sich erahnen, was die Bedeutung dieser ersten Seiten ist. Das Ende selbst kam mir etwas zu plötzlich beziehungsweise war mir auch zu schnell abgefertigt. Ich habe den beschreibenden und darstellenden Erzählton von Sabine Giebken vermischt, stattdessen hat sich für mich zu viel Action in das Buch gemischt und daher passt das Ende für mich nicht ganz zum Rest des Buches. Sehr gut gefallen hat mir aber, dass sich im Epilog der Kreis schließt und die Handlung wieder auf Kuba spielt.

Obwohl “Über uns das Meer” ein Jugendbuch ist, ist es doch recht anspruchsvoll und erwachsen geschrieben. Dazu hat Sabine Giebken Situationen geschaffen, die besonders und einzigartig sind. “Über uns das Meer” erzählt keine abgedroschene Geschichte, die man schon tausend mal gelesen hat. Das Setting ist besonders (die Insel Elba und das Meer), die Hintergrundidee ist besonders (das Apnoe-Tauchen) und der Schreibstil ist ebenfalls ganz besonders. Ein bisschen poetisch und ganz, ganz bildhaft und eindringlich. Es erinnert mich vom Erzälstil her ein wenig an die Bücher von Bettina Belitz und interessanterweise wird Bettina Belitz auch in der Danksagung von Sabine Giebken erwähnt. Sabine Giebken hat einen ähnlichen ausdrucksstarken Stil und malt mit ihren Worten tolle Bilder in meinem Kopf. Sie beschreibt so eindringlich, wie es sich anfühlt, unter Wasser schwerelos zu sein, beschreibt die Faszination, aber auch die Angst, die damit verbunden sein kann.

Mein Fazit

Das Lesen dieses Buches gleicht dem Tauchen ohne Sauerstoff: Man atmet tief ein, hält die Luft an, taucht ein in eine faszinierende Welt, und bleibt nach dem Auftauchen atemlos zurück, bevor man sich zwingen muss, sich wieder in der Realität zurecht zu finden.

Kai Meyer – Die Seiten der Welt

wpid-img_20140926_102923.jpgSTECKBRIEF

Erscheinungsdatum: 25. September 2014
Format: Gebundenes Buch / Ebook / Hörbuch
Verlag: Fischer FJB
Seitenzahl: 560
ISBN: 978-3-8414-2165-4

ICH DANKE DEM FISCHER VERLAG FÜR DAS BEREITSTELLEN DES REZENSIONSEXEMPLARES!


Worum geht es?

Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Familie birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie und die Macht der Worte entfesseln.
Doch dann wird ihr Bruder entführt, und Furia muss um sein Leben kämpfen. Ihr Weg führt sie nach Libropolis, die Stadt der verschwundenen Buchläden, und an die Grenzen der Nachtrefugien. Sie trifft auf Cat, die Diebin im Exil, und Finnian, den Rebellen. Gemeinsam ziehen sie in den Krieg – gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher.

Quelle: Verlagsseite

Über den Autor

Kai Meyer, geboren 1969, ist einer der wichtigsten deutschen Phantastik-Autoren. Er hat über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet.

Quelle: Verlagsseite

Meine Bewertung

Meine Rezension wird heute etwas anders als gewohnt aussehen, denn ich habe während des Lesens von “Die Seiten der Welt” eine Art Tagebuch geführt und darin meine Eindrücke zu den einzelnen Abschnitten festgehalten. Daher möchte ich meine Meinung heute gerne in dieser Form mit euch teilen. Vielleicht werde ich das in Zukunft bei Büchern, auf die ich mich besonders gefreut habe, öfters so machen.

Sonntag, 21.09.2014, 19.06 Uhr

Schon seit ein paar Wochen steht der neue Kai Meyer in meinem Regal und hat mich jedes Mal, wenn es darum ging, mir ein neues Buch auszusuchen, mit seinem wunderschönen Cover angelächelt und in Versuchung geführt. Aber ich habe mir das Buch für die etwas gemütlichere Jahreszeit aufgehoben, weil ich das Gefühl hatte, das es von der Lesestimmung her besser in den Herbst passt. Der meteorologische Herbstanfang liegt schon hinter uns, der kalendarische Herbstanfang lässt nicht mehr lange auf sich warten. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Zeit für das Buch nun gekommen ist. Und so habe ich mich gerade in meine Kuscheldecke vergraben und eine Tasse dampfender Tee steht vor mir. Die perfekte Wohlfühl-Atmosphäre ist geschaffen und ich hoffe, dass ich gleich so richtig in das Buch abtauchen und in den Seiten der Welt verschwinden kann.

Kai Meyer konnte mich nicht mit jedem seiner Bücher überzeugen. Ich liebe seine älteren Werke: Mit “Loreley”, “Das Buch von Eden” oder “Der Rattenzauber” verbinde ich wunderbare Lese-Erinnerungen. Aber “Phantasmen” oder auch “Arkadien erwacht” konnte mich nicht ganz begeistern. Von “Die Seiten der Welt” verspreche ich mir aber sehr viel. Schon allein die Aufmachung ist so toll: das Cover, aber auch der Einband selbst. Und das fehlende Lesebändchen wird durch die Eintrittskarte nach Libropolis ersetzt.

Ich bin dann mal weg…

Sonntag, 21.09.2014, 21.42 Uhr, Seite 54

Wow, was hat Kai Meyer nur für eine unglaubliche Fantasie?! Origami-Vögel erwachen zum Leben, Furia ist befreundet mit einem Wesen namens Ypsilonzett, das aus Unmengen an Buchstaben besteht, und verfügt über die Gabe, im Schlaf Bücher zu verschlinge. Ja, Kai Meyer versteht es einfach, großartige und fantastische Welten zu erschaffen. Und welchem Leser geht bei der Beschreibung der Bibliothek nicht das Herz auf?

Auf den ersten 50 Seiten erwarten den Leser schon jede Menge Informationen, aber ebenso viele offene Fragen schwirren auch in meinem Kopf.

Ich denke, ich mag Furia. Und Pip erst!

Noch fehlt mir etwas das Gefühl, völlig in der Geschichte zu versinken. Ich kann momentan nicht richtig abtauchen, werde leicht abgelenkt.

Montag, 22.09.2014, 13.37 Uhr, Seite 54

Meine heutige Mittagspause habe ich dazu genutzt, das Buch noch einmal neu anzufangen. Denn gestern hatte ich das Gefühl, nicht richtig in die Geschichte rein zu finden, was aber wohl mehr an mir selbst als am Buch lag. Vielleicht hatte ich doch einfach nicht die nötige Ruhe. Deshalb habe ich mir das Buch heute noch einmal geschnappt und die ersten 54 Seiten erneut gelesen. Jetzt bin ich schon viel besser in der Geschichte drin, bin abgetaucht in die Handlung und freue mich darauf, heute Abend weiter zu lesen.

Montag, 22.09.2014, 22.21 Uhr, Seite 132

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Wow, Kai Meyer hat so eine verdammt gute Fantasie! Es ist so klasse, wie hervorragend er die Handlung durchdacht hat, was er sich alles hat einfallen lassen, um seine Geschichte besonders und einzigartig zu machen. Er hat einen so kreativen Weg gefunden, Hintergrundinformationen zu vermitteln (Stichwort “Severin”) und er hat seinen Charakteren so viel Leben eingehaucht.

Die Zusammenhänge finde ich einigermaßen anspruchsvoll und stellenweise musste ich schon sehr genau lesen, um alles zu verstehen.

Was ich auch schon an “Phantasmen” zu kritisieren hatte, ist in diesem Buch wieder ein Punkt: Mir ist die Handlung stellenweise zu actionreich. Ich kann mit Verfolgungsjagden und Schießereien nicht viel anfangen und stehe nicht so auf diese Agententhriller-Geschichten…

Dienstag, 23.09.2014, 22.08 Uhr, Seite 311

Es ist einfach nur toll, wie Kai Meyer seine Figuren gezeichnet hat. Jeder Charakter in diesem Buch ist wichtig und spielt seine ganz eigene Rolle. Und sei es auch “nur” ein Sessel oder eine Stehlampe. Ich habe mich gerade ganz doll in zwei ganz besondere Figuren verliebt. <3 (Und betrachte nebenbei meine Möbel gerade mit etwas anderen Augen…)

Aber Kai Meyer kann auch anders. Er kann auch ziemlich gnadenlos sein. Puuhh, ich musste gerade tief durchatmen…

Der Autor muss ein wahrer Bücherfreund sein, denn wie er die Stadt Libropolis beschreibt, die sich mehr als nur am Bücherdorf Hay-on-Wye orientiert, ist einfach nur großartig. Es ist der Ideenreichtum des Autors, der mich einfach fasziniert. Kai Meyer hat ganz wunderbare und liebevolle Ideen, die mich als Bücherliebhaberin einfach berühren.

Gleichzeitig wird die Handlung aber auch actionreicher, was mir leider eher weniger zusagt. Aber ich bin gespannt, was mich noch alles erwarten wird.

Donnerstag, 25.09.2014, 21.31 Uhr, Seite 556

Die letzten gut 200 Seiten des Buches musste ich jetzt einfach in einem Rutsch lesen. Abgesehen von den actionreichen Szenen, die mich stören, ist das Buch wirklich spannend und ich war jetzt einfach so gespannt darauf, wie alles enden würde, dass ich das Buch nicht mehr weglegen konnte.

Die Handlung ist durchweg total gut durchdacht. Obwohl sie sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, ist alles stimmig und schlüssig. Ja, Kai Meyer weiß eben einfach, wie es geht.

Einige Charaktere sind mir während des Lesens richtig doll ans Herz gewachsen, andere sind mir etwas fremd geblieben. Aber das ist ok, ich muss nicht jeden mögen.

Was mir von diesem Buch am meisten in Erinnerung bleiben wird, ist die grenzenlose Fantasie und das Herzblut, das Kai Meyer in dieses Buch gesteckt haben muss, um so eine fantastische Geschichte zu erzählen, die das Herz jedes Büchermenschen höher schlagen lässt und von der ersten bis zur letzten Seite gefangen nimmt.

Mein Fazit

Vier aufregende Lesetage habe ich mit diesem Buch verbracht und bin dabei in eine Welt abgetaucht, in der die Liebe zum Buch gelebt wird.

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